Musik ist meine Art, über meine Heimat zu sprechen

von Susanne und Peter Scherrer

„Musik ist eine universelle Sprache, die keine Übersetzung braucht, denn durch sie spricht die Seele mit der Seele. Es ist eine Art der Kommunikation, die keine Worte benötigt. Sie hilft, Emotionen auszudrücken, eine gemeinsame Sprache zwischen Menschen zu finden, zu inspirieren und zu unterstützen. Musik ist für mich das ganze Universum!“, beschreibt die Ukrainerin Yevheniia Brezhnieva ihr Verhältnis zur Sprache der Töne. 

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Yevheniia Brezhnieva  ist Musikerin mit Leib und Seele. In ihrer Heimatstadt Luhansk absolvierte sie am dortigen College of Culture and Arts ein anspruchsvolles Klavierstudium. An der Luhansker Taras Schewtschenko Universität schloss sie ihr Pädagogikstudium ab. Danach startete sie sofort durch als Klavierpädagogin, Konzertmeisterin und Mitglied des Luhansker College-Ensembles. Kriegsbedingt musste sie 2014 ihre Heimatstadt im Donbass verlassen, setzte ihre Karriere als Klavierpädagogin, Chorleiterin und Musikerin aber unbeirrt fort. 

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Der russische Angriff auf ihre Heimat zwang sie und ihre Töchter zur Flucht nach Deutschland. So gelangte sie 2022 nach Schwerin. Im ukrainisch-deutschen Kulturzentrum „SIČ“ fand sie Aufnahme – und begann sofort, sich für ebenfalls geflüchtete ukrainische Kinder einzusetzen. „Ich fing an, Kindern Klavier beizubringen und ihnen zu helfen, hier in Deutschland durch Musik wieder zu Kräften zu kommen und eine Balance zu finden. Musik half ihnen, sich in ein anderes Land zu integrieren“, berichtet Yevheniia. Und so geht es ihr selbst.

Konzertverein Schwerin öffnet sich für ukrainische Geflüchtete

Einen wichtigen musikalischen Ankerpunkt in Schwerin bilden für sie die Kammermusikabende mit internationalen Künstler*innen im Goldenen Saal des Neustädtischen Palais, die der Konzertverein Schwerin achtmal pro Saison veranstaltet. Der Verein arbeitet gemeinnützig und ist nicht profitorientiert. Unmittelbar nach dem Eintreffen der ersten Geflüchteten in Schwerin 2022 beschloss der Vorstand, über das ukrainisch-deutsche Kulturzentrum „SIČ“ ukrainischen Musikbegeisterten stark ermäßigte Eintrittskarten anzubieten. Das Defizit tragen die Vereinsmitglieder und Konzertbesucher*innen durch Spenden. Das Angebot wird gern angenommen, und Yevheniia Brezhnieva ist fast immer dabei. „Musik ist für mich mein ganzes Leben“, bekennt sie, und lächelt dabei nicht.

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Eine ukrainische Musikerin will ankommen.

Seit 2023 engagiert sie sich in der Leitung des „SIČ“ und verantwortet die Bereiche Kinder und Jugend, sowie Kultur- und Bildungsinitiativen. Als Mitglied der Schweriner Singakademie will sie sich aktiv in die deutsche Gesellschaft integrieren. Aber vor allem treibt ihr beruflicher Ehrgeiz sie voran. Ihre Diplome ebenso wie die vielen Erfolge und Auszeichnungen als Musikpädagogin und Musikerin in der Ukraine verleihen ihr die Energie, es jetzt auch in Schwerin anzugehen. Sie hat sich weitergebildet und Praktika absolviert. Ihre Schüler treten als Solisten bei Schulkonzerten auf. „Musik ist wieder meine Stimme geworden, meine Art, über meine Heimat, über Schmerz, über Hoffnung zu sprechen. Jetzt arbeite ich weiter, teile Wissen und inspiriere. Musik bleibt mein Hauptbegleiter, und die Bühne ist ein Ort, an dem ich ich selbst sein kann“, erklärt sie. Was sie sich jetzt wünscht, ist ein fester Job mit einer musikalischen Herausforderung. 

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Über die Autoren (Fotos: Peter Scherrer) 

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