Das Schweriner Co-Working-Café „tisch” als Ausstellungsort
von Til Rohgalf
Kunstpause bei der Arbeit: Im „tisch”, einem Schweriner Co-Working-Café, stellt die neue Ausstellungsreihe „Im kleinen Rahmen” Werke von Künstler*innen aus der Region und darüber hinaus vor. Kuratorin Annekathrin Siems beginnt nun mit der ersten Werkschau und hat schon weitere Ausstellungen in Planung. Als häufige Besucherin ist sie von den Räumlichkeiten und der Atmosphäre im „tisch” begeistert. Der Raum sei prädestiniert für die Beschäftigung mit Kunst, lade zu Kaffee und Kuchen ein, ermögliche aber auch die profunde Auseinandersetzung, schwärmt die Organisatorin vom Ausstellungsraum.
Morgen macht die Wismarer Künstlerin Karen Clasen mit der Vernissage „Malerei und Mixed Media” den Anfang. Ihre in kräftigen Farben komponierten, ausdrucksstarken und dichten Arbeiten sind voller haptischer Details. Sie bestehen aus vielen Schichtungen unterschiedlicher Materialien und Techniken. Dabei entfalten sie eine große Dynamik, die die Betrachtenden „wie in einem Strudel mit sich reißt“, so Kuratorin Annekathrin Siems.
.

.
Dieser Eindruck ist in der Arbeitsweise der Künstlerin begründet. Sie schafft ihre Werke in einem mehrschichtigen, intuitiven und offenen, suchenden Prozess. Sie häuft sukzessive vielfältige Texturen übereinander. Ihre Werke entstünden auf diese Weise mit dem freien Setzen von Flächen und Linien, erzählt die Künstlerin.
Ihre Materialauswahl spiegele dabei vielfältige Inspirationsquellen ebenso wider wie ihr spielerischer Umgang mit den Werkstoffen. Zarte Naturanklänge finden sich in ihren Arbeiten wie auch Fotos alter PC-Schaltkreise. Derzeit beschäftige sie sich zudem vermehrt mit Materialien, Strukturen, Mustern und Techniken aus dem Textilhandwerk. Auch das gemeinsame Malen mit ihrer zweijährigen Tochter inspiriere sie: Die Wiederentdeckung von Buntstiften und Wachsmalern, das unverblümte Experimentieren und die unverfälschte Neugier ihres Kindes befreien sie beim eigenen Umgang mit Materialien und Motiven.
Karen Clasen verwendet in jüngeren Werken auch Materialien, die sie von ihrer Großmutter, älteren Verwandten und Bekannten zur künstlerischen Weiterverwendung erhielt. Zeitlichkeit, Zeitvergehen, Vergangenheit und Gegenwart sowie persönliche Erinnerungsarbeit macht sie so für die Betrachtenden sichtbar. Clasens Werke entziehen sich bewusst festen Deutungsmustern und inhaltlichen Grenzziehungen.
Zeitgleich mit der Ausstellung „Im kleinen Rahmen” stellt Karen Clasen auch in der Galerie des Staatstheaters in Schwerin aus. Dies sei, so Kuratorin Annekathrin Siems, „eine glückliche Fügung”. Am Sonnabend findet die Ausstellungseröffnung im „tisch” bereits am Nachmittag statt: „Wir sind sozusagen der Aperitif.” Machen die Werke Karen Clasens „Im kleinen Rahmen” den Anfang, so folgen ab Ende April Arbeiten von Ulrich Bittmann und für Ende Juni sind schon Werke von Moritz Jason Wippermann im Programm. Kuratorin Annekathrin Siems wünscht sich, dass die Ausstellungsreihe in Schwerin eine feste Größe wird: „Im Moment fußt die Ausstellungsreihe auf unserem Engagement und Ehrenamt (…) – wir spielen zurzeit mit viel Enthusiasmus und Liebe für die Kunst allabendlich kreatives Pingpong und arbeiten gemeinsam an der Ausstellungsreihe.”
Die Ausstellungseröffnung mit Karen Clasen im Co-Working-Café „tisch” findet am Sonnabend, dem 15.03.2025, um 15:30 Uhr statt. Die Ausstellung „Natur und Intuition” eröffnet ebenfalls am 15.03.2025, dann um 18:00 Uhr in der Galerie des Staatstheaters Schwerin.
