Die besten Pressefotos des Jahres

Deutsche Fotografinnen und Fotografen räumen kräftig ab

von Manfred Scharnberg

Die ersten Preise beim World Press Photo Award – den renommiertesten Auszeichnungen für Pressefotografen weltweit – sind vergeben. Insgesamt wurden 42 Fotografinnen und Fotografen aus 30 Ländern prämiert. Zunächst veröffentlichte die World Press Photo Foundation die speziellen Preise für die unterschiedlichen Regionen der Welt. 2025 kamen besonders viele deutsche Fotograf*innen auf die Bestenliste für Europa. Unter sieben, von der europäischen Jury ausgezeichneten Fotoarbeiten, gingen vier nach Deutschland. Bemerkenswert: drei Fotograf*innen unter ihnen studieren noch oder absolvierten ihre Ausbildung im Studiengang Visual Journalism and Documentary Photography der Hochschule Hannover.

Preisträger hat schon in Mecklenburg-Vorpommern ausgestellt

Mit zwei Ausstellungen war Rafael Heygster im Kulturhaus Mestlin (MV) zu Gast. Für sein Foto-Essay „Ich starb 22 mal“ besuchte er Orte, an denen Krieg „gespielt“ wird: Waffenmessen und „Freizeitvergnügen“ mit Kriegsgeräten. Auch mit der Dokumentation „Corona Rhapsody“ war er dort zu sehen. 

Bild DDID-3: AfD-Parteimitglieder und -Unterstützer in Potsdam, September 2024: »Hey, was geht ab, wir schieben sie alle ab«, Foto: © Rafael Heygster,

Fotografische Stories von Rafael Heygsters

Rafael Heygster wird für seine Arbeit „Demokratie stirbt im Dunkeln“ in der Kategorie „Stories“ ausgezeichnet. Für den SPIEGEL dokumentierte er Wahlkampfveranstaltungen der AfD in Deutschland. Seine Arbeit erkundet, wie sich die rechtsextreme Partei medial inszeniert und welche Gefahren das für demokratische Gesellschaften birgt. Eines der Bilder von Rafael Heygster zeigt AfD-Anhänger in Potsdam, die nach dem Erfolg bei der Landtagswahl in Brandenburg zu singen und zu tanzen begannen. Der SPIEGEL beschrieb die Szene so: „Wie extrem die Brandenburger AfD tickt, zeigte sich auch am Wahlabend. Da tönt um kurz nach 18 Uhr plötzlich der ›Abschiebesong‹ aus den Boxen, ein rassistisches Lied, das die AfD-Jugend Brandenburg mithilfe von künstlicher Intelligenz produziert hat. Darin heißt es, ›Hey, was geht ab, wir schieben sie alle ab‹.“

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Sieger der Kategorie „Einzelbild“ in Europa beim World Press Photo Award ist Florian Bachmeier. Der Fotograf vom Tegernsee ist Osteuropa-Spezialist. Er rückt ukrainische Kinder in den Fokus, die inmitten von Gewalt aufgewachsen sind, deren Unschuld zerbrochen ist, die sich ihre Willenskraft erhalten haben, während sie sich an ein neues Leben anpassen müssen. Sein Foto zeigt die sechsjährige Anhelina, die traumatisiert und unter Panikattacken leidend, im Bett ihres neuen Zuhause liegt.

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Bild WPP-2025Contest-Europe-SIN-Florian Bachmeier: Sieger der Kategorie „Einzelbild“ in Europa
Traumatisiert und unter Panikattacken leidend liegt die sechsjährige Anhelina in ihrem neuen Zuhause im Bett.
Foto: © Florian Bachmeier / WPP

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Die Fotojournalistin Nanna Heitmann ist eine der wenigen westlichen Bildberichterstatter, die auf der anderen Seite der Front fotografierte, auf dem von Russland annektierten Gebiet der Ukraine. Ihr in der Kategorie „Singles“ ausgezeichnetes Foto, zeigt einen schwer verletzten Soldaten in einem zum Lazarett umfunktionierten Weinkeller in der Stadt Bachmut. Hier wüteten einige der blutigsten Gefechte des Krieges. Das linke Bein und ein Arm mussten schließlich amputiert werden. Nanna Heitman stammt aus Ulm und studierte in Hannover. Sie hatte sich mit ihrer außergewöhnlichen Fotografie so eindrucksvoll profiliert, dass sie von der legendären Bildagentur Magnum Photos aufgenommen wurde.

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Bild WPP-2025Contest-Europe-SIN-Nanna Heitmann: Siegerin in der Kategorie „Einzelbild“ in Europa
Verletzter Soldat in einem unterirdischen Feldlazarett bei Bakhmut, Ukraine. Foto: © Nanna Heitman / Magnum Photos / WPP

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Ebenso auf der russischen Seite, beschäftigt sich Aliona Kardash mit den Folgen des russischen Angriffs auf die Ukraine. In ihrer Geschichte reflektiert Aliona Kardash, die in Russland geboren wurde und jetzt in Deutschland lebt, über den Verlust der Heimat und die Liebe zu Menschen, die an eine andere Version der Realität glauben. Bei einem Gegenbesuch in ihrer Heimatstadt fängt Aliona Kardash mit ihren Fotos ein, wie der Krieg Menschen verändert. Die Fotografin, die in Hannover studiert hat, versucht den Glauben daran zu bewahren, dass persönliche Bindungen stärker sind als die Kräfte, die uns auseinanderreißen.

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Bild WPP-2025Contest-Europe-LTP-AlenaKardash-01 Siegerin in der Kategorie „Langzeit Projekt“ in Europa
Die in Sibirien geborene, jetzt in Hamburg lebende, Fotografin dokumentiert den Besuch bei in ihrer ehemaligen russischen Heimatstadt. Foto: © Aliona Kardash / WPP

Aus allen regionalen Gewinnern werden dann wiederum die globalen Sieger bestimmt: Das „World Press Photo of the Year“ sowie zwei Finalisten werden am 17. April verkündet.

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Manfred Scharnberg, arbeitet als Fotojournalist,ist diplomierter Designer und aktives Mitglied der Schweriner Fotografengruppe AUSLÖSER. Er war für renommierte Zeitschriften/Special-Interest Magazine (Chefredakteur) tätig und kuratiert Fotoausstellungen, zum Beispiel für das Kulturhaus Mestlin. 

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